Kinderhilfe-Kenia

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25.03.2008 Kinderheim in Kenia ist Vorzeigeprojekt

Die Kinder im Mudzini Kwetu Center

haben derzeit trotz der katastrophalen Lage in Kenia nichts zu befürchten.

Verein baut humanitäres Engagement aus - Lebenshaltungskosten stiegen nach den Unruhen an.
Das Jahr 2008 hat für Kenia und für die dort lebenden Menschen mit einem Desaster begonnen. Zur Zeit besteht noch keine unmittelbare Gefahr für die Kinder und deren Betreuer des Mudzini Kwetu Centers. Dennoch sind wir besorgt über die langfristigen Folgen des politischen Konflikts, worunter in Kenia vor allem die Kinder leiden werden, die die Folgen dieser "nationalen Katastrophe" rückhaltlos und stärker als bisher zu spüren bekommen.

Die Kinder im Mudzini Kwetu Center haben derzeit trotz der katastrophalen Lage in Kenia nichts zu befürchten. Nach den ersten Meldungen, dass nach den umstrittenen Präsidentenwahlen in Kenia in weiten Landesteilen und mehreren Städten des ostafrikanischen Landes schwere Unruhen ausgebrochen sind, klingelten beim Vorstand des Vereins die Alarmglocken. Unsere Sorge galt den Kindern und dem Betreuungspersonal des Kinderheims in Kenia, das von dem in Backnang ansässigen Verein Anfang 2003 gegründet und bisher mit großem Erfolg auf- und ausgebaut wurde.

Von den Unruhen waren hauptsächlich Landesteile und Städte im Westen Kenias sowie die Hauptstadt Nairobi betroffen. 500 bis 800 km von der Hafenstadt Mombasa entfernt. Was aber nicht bedeutet, dass sich die Unruhen nicht auch auf die Küstenregion Kenias übertragen kann, wo sich das Kinderheim befindet.
In vielen Telefonaten mit Evelyn Schimank, die den Verein in Mombasa geschäftsführend vertritt und Anthony Mulongo, dem Leiter des Kinderheims, erfuhren wir, dass keine unmittelbare Gefahr für die im Mudzini Kwetu Center lebenden Kinder und Betreuer besteht.
In und um Mombasa hielten sich bisher die Unruhen in Grenzen. Die überwiegende Bevölkerung in Mombasa und den umliegenden Orten blieben aber zu Beginn der Unruhen mehrere Tage in ihren Wohnungen und Unterkünften und auch die Kinder und ihre Betreuer verließen nicht das Gelände unseres Heims, weil sie Angst hatten überfallen zu werden oder anderweitig zu Schaden zu kommen.
In Folge der Unruhen wurden jedoch Lebensmittel und Benzin auch in der Küstenregion knapp, weil viele Geschäfte sowie Tankstellen seit den Wahlen bis Mitte Januar geschlossen blieben oder weil der Güter- und Warentransport kaum noch funktionierte. Die zunehmenden Verknappung führte schließlich dazu, dass die Preise für Lebensmittel, Benzin etc. zeitweise um bis zu 300% anstiegen.

Für die Kinder im Kinderheim war aber vorerst gut gesorgt. Die vorhandenen Lebensmittel reichten noch für einige Tage. Aus dem eigene Garten standen zudem ausreichend Obst und Gemüse zur Verfügung. Gas (alternativ Holzkohle) für die Herde, auf denen die Mahlzeiten zubereitet werden, war auch noch ausreichend vorhanden. Noch waren alle Kinder gesund und die Ängste bei den größeren Kindern konnte dahingehend gemildert werden, dass die Betreuer ihnen das Gefühl vermittelten, dass sie in Sicherheit waren.

In der Zwischenzeit hat sich das allgemeine Leben in der Küstenregion weitgehend normalisiert. Aber was ist in Kenia, mit Blick auf die jüngsten Ereignisse, schon normal? Wenn in weiten Landesteilen im Westen Kenias bisher bei den Unruhen bis zu 800 Menschen ums Leben gekommen sind und weiterhin über 250.000 Menschen auf der Flucht sind, dann stellt sich die Frage, ob und wie die Talfahrt ins Chaos noch aufgehalten werden kann? Ist bei diesem Szenario die Ruhe an der Küste noch von Dauer? Was müssen wir tun, wenn sich die Unruhen auf die Küstenregion am Indischen Ozean übertragen? Können wir dann unsere Arbeit weiter fortführen? Sind die Kinder und die Betreuer im Heim dann noch sicher?
Fragen, die wir uns während unserer langjährigen Arbeit in Kenia nicht stellen mussten. Beim Auf- und Ausbau des Kinderheims waren zwar bürokratische Hürden zu überwinden, insgesamt erfuhren wir aber, vor allem vom Jugendamt in Kilifi, eine breite Unterstützung für unsere Arbeit.

Der Vorstand, der von 14. November bis zum 8. Dezember letzten Jahres in Kenia war, konnte sich, wie schon bei seinen früheren Besuchen, vor Ort davon überzeugen, dass der Aufbau des Kinderheims große Fortschritte gemacht hat.
Es bestehen z. Zt. drei Wohneinheiten für den Heimleiter, für die Kinder und für das Personal sowie ein Gebäudekomplex, in dem das Verwaltungsbüro und ein Lager untergebracht ist. Für die Kinder wurde ein Spielplatz mit einer Kletterburg, Rutschbahn und Schaukel gebaut und an dem Gebäude, wo die Kinder untergebracht sind, wurde ein offener Raum angebaut und als Aufenthalts- und Lernraum eingerichtet.
An die seit einiger Zeit betriebenen Solarpumpe, mit der das Brunnenwasser in einen Vorratsbehälter gepumpt werden kann, wurde ein umfangreiches Filtersystem für das Brunnenwasser angeschlossen. Hierdurch erhält das Wasser Trinkwasserqualität. Die Anlage wird halbjährlich gewartet und amtlich zertifiziert. Das in der Zwischenzeit ein Teil des Brunnenwassers auch den Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft des Heims, die keine eigene Wasserversorgung haben, zur Verfügung gestellt werden kann, sehen wir als einen wesentlicher Beitrag der Integrationsförderung.

Führsorge und Betreuung erfahren die 31 Schützlinge z. Zt. durch vier Hausmütter, die nicht selten in eine Art "Mutterrolle" schlüpfen müssen. Die gute Seele des Heims, Daniel, ist nicht nur Fahrer des Schulbusses sowie begnadeter self made Kfz-Mechaniker und Schlosser sondern auch "Seelen-Klempner" für die kleinen und großen Nöte der Kinder. Ein zweiköpfiges Gärtnerteam bewirtschafte das in der Zwischenzeit hervorragend ausgebaute "Farmland", wobei sie aber auch ihr Können beim Bau des Brunnens, der Kläranlage, der Kuh- und Hühnerställe und der allgemeinen Gartenanlagen unter Beweis gestellt haben. Last but not least ist Anthony Mulongo nach wie vor als Heimleiter der Garant für uns, dass aus unseren Visionen realisierbare Ziele geworden sind und werden können.

Nun werden sich einige Leser bei der Darstellung der Heimentwicklung möglicherweise sagen, dass diese Darstellung subjektiv positiv interpretiert sein könnte. Betrachtet man aber die Entwicklung der Kinder, dann haben wir hier einen objektiven Indikator für den Erfolg unserer bisherigen Arbeit. Wir sehen Kinder, bei denen nach einem jeweils individuellen Leidensweg die seelischen und körperlichen Wunden verheilt sind und die wieder Freude am Leben haben. Die überdurchschnittlichen Lernerfolge der meisten Kinder sind wohl auch ein Indiz dafür, dass sie sich auch sozial und persönlich sehr gut entwickelt haben. In gewisser Weise betrachten wir dies als Maßstab und Lohn für unser Engagement. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die von uns geförderte Schulausbildung die ertragreichste Investition in die Entwicklung dieser Kinder war und ist.

Seitens der Behörden in Kenia wurde unser Projekt und die Arbeit unserer kenianischen Partner noch vor den Wahlen dahingehend anerkennend bewertet, indem unser Kinderheim nach einer eingehenden Kontrolle im Juli 2007 zwischenzeitlich als ein "Vorzeigeprojekt" ausgewiesen wurde. Wie gesagt, das war vor den Präsidentschaftswahlen!
Die Vorstandsmitglieder des Vereins Kinderhilfe Kenia sind der Meinung, dass Kenia ernsthafte soziale Probleme hatte und hat, die dringend gelöst werden müssen. Dies aber wird nicht von heute auf morgen passieren. Vor allem dann nicht, wenn in Kenia keine Politik des Friedens, der Einheit und der Gerechtigkeit mit echten demokratischen Strukturen vollzogen wird.
Die Situation der Menschen in Kenia ist - heute mehr als je zuvor - vom täglichen Kampf ums Überleben geprägt. Das Indiz hierfür sind die Waisenkinder die in unserem und in vielen Heimen anderer Hilfsorganisationen in Kenia leben. Wir wollen daher nicht bei dem Erreichten verharren, werden wir doch täglich damit konfrontiert, dass wegen der von Autokratie und Nepotismus geprägten Präsidialrepublik, der derzeitigen blutigen Unruhen in Kenia und wegen steigenden Ausbreitung zahlreicher Krankheiten (HIV/AIDS, Malaria etc.) sowie Naturkatastrophen immer mehr Kinder auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Wenn wir auch keinen politischen Einfluss haben und die Not auch nicht alleine und überall in Kenia beseitigen können, so können wir sie wenigstens parziell mildern.
Nach wie vor ist es unser Ziel, Kindern, die in unser Kinderheim aufgenommen werden, eine Lebensperspektive zu geben und ihnen eine schulische Ausbildung zu ermöglichen, um schon an der Basis intellektuell wertvolles für die Kinder und für dieses Land zu tun.

Außerhalb unseres Kinderheims helfen wir zur Zeit auch dort, wo die Not am größten ist. Bereits in den ersten Tagen nach den Unruhen haben wir im Kleinen geholfen. Wir versorgen Menschen, die von den Folgen der Unruhen betroffen sind, mit dem Nötigsten.
Die bisherigen Erfolge und unser Engagement zeigen, dass unser Verein auf dem richtigen Weg war und ist, und dass das von uns ins Leben gerufene Projekt gerade in der jetzigen Situation mit Kontinuität und verantwortungsbewusstem Handeln weiter fortgeführt werden muss. Und so lassen sich auch die zuvor gestellten Fragen beantworten, denn wir wollen anpacken, nicht einpacken! Wir haben den Willen und die Kraft die Herausforderung anzunehmen, denn wenn es einen Glauben gibt, dann ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Dass den 142 Mitgliedern und weiteren Förderern des Vereines "unsere Kinder" in Kenia am Herzen liegen, zeigt die nachhaltige Spendenbereitschaft in den letzten Jahren. Dafür sind wir allen, die uns bisher unterstützt haben, sehr dankbar.
Wie bisher, so sehen wir uns den Spendern gegenüber im Rahmen unseres ehrenamtlichen Engagements auch weiterhin verpflichtet, dass die Spendengelder zu 100% dem Heim in Kenia, und somit den Kindern zugute kommen.